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Freundschaften verändern sich

Klar man weiß, Freundschaften verändern sich, man lernt neue Freunde kennen und verliert alte Freunde leider manchmal aus den Augen. Aber wenn sich eigene Freundschaften verändern, dann kommt man doch ins grübeln. Warum? Was hab ich falsch gemacht? Hab ich alles versucht die Freundschaft wieder zu kitten?


 

Leben ist Veränderung, wer sich nicht verändert,wird auch verlieren, was er bewahren möchte.

(Gustav Heinemann)


Veränderungen im eigenen Leben bringen auch Veränderungen mit den Freunden mit sich. Vor drei Jahren stand eine große Veränderung in meinem Leben an. Nach langer Zeit konnte ich endlich zwei Striche erkennen. Zwei Striche die mein ganzes Leben ändern sollten. Endlich, endlich hatte es geklappt und ich war schwanger. Für mich und meinen Mann das größte Glück auf Erden. 


Zwei Striche, die mein Leben auf den Kopf gestellt haben. Das war übrigens schon der fünfte Test, weil ich es nicht glauben konnte. 


Oft hörte ich von Freundinnen, die schon ein Kind hatten : "So ein Kind ändert alles. Hoffentlich sehen wir uns noch wenn das Kind da ist. etc."

Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Was sollte sich denn ändern? Klar wir bekommen ein Baby, aber dann kommt das Baby halt mit wenn wir uns treffen wollen. Wo ist das Problem? 

 

Und ja, jetzt weiß ich, es ändert sich wirklich vieles. Und auch leider langjährige Freundschaften.

Die meisten Freunde sind geblieben,einige Freundschaften sind sogar enger geworden, neue, tolle Freunde sind hinzugekommen, aber eine Freundschaft hat es leider nicht geschafft (obwohl ich glaube, dass wir uns vorher schon auseinander entwickelt hatten).

 


In der Kindergartenzeit waren wir unzertrennlich. Durch einen Umzug trennte uns seit der Grundschule immer eine gute halbe Stunde Autofahrt, aber mit Telefon und regelmäßigem Treffen war uns die Entfernung egal. Wir waren beste Freundinnen. Und ich meine wirklich beste Freundinnen. Wir erzählten uns alles, konnten Stunden telefonieren, gingen stundenlang zusammen shoppen und fuhren öfters zusammen in den Urlaub. Wir gingen gemeinsam durch Dick und Dünn. 

Als es dann nach dem Abitur an die Uni ging vergrößerte sich die Entfernung, aber auch das war uns egal. 

 

Im nachhinein frage ich mich öfters, wo genau der Zeitpunkt war, als es einen Knick in der Freundschaft gab. War es die Entfernung? War es mein Freund (jetziger Mann) wodurch sich etwas zwischen uns änderte?  Ich kann es gar nicht genau sagen.

Irgendwann war es aber nicht mehr so wie früher. Wir telefonierten nicht mehr so oft und sahen uns nur noch zwei, dreimal im Jahr. Kennt ihr das, wenn man sich sieht und es auf einmal eine gewisse Distanz zwischen einem gibt? Eine Distanz die sonst nie da war?

In der Schwangerschaft sahen wir uns nur einmal und selbst als meine kleine Maus dann endlich bei uns war, gab es nur einen Kurzbesuch von ihr. 

Beruflich ging es dann für sie ins Ausland, was ich auch nur kurz über WhatsApp erfuhr und spätestens da merkte ich nochmal wie schade es war, dass wir mittlerweile höchstens zum Geburtstag und zu Weihnachten kurz  voneinander hören... Und das auch nur schriftlich.


Wenn du dich nicht meldest, melde ich mich auch nicht. Deswegen zerbrechen Freundschaften.

(Pinterest)

 


Erst habe ich gedacht es sei abgehakt für mich, aber allein das ich hier jetzt darüber schreibe zeigt mir, dass es mich doch noch beschäftigt.  Seit Wochen liegt ein fertig geschriebener Brief in meinem Schreibtisch, indem ich all meine Gedanken und Dinge die wir irgendwie nie angesprochen haben, mal aufs Papier brachte. Jetzt wartet er darauf abgeschickt zu werden. Wann und ob ich das noch mache keine Ahnung. Würdet ihr ihn abschicken? 

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Kommentare: 2
  • #1

    indigoblau (Dienstag, 09 Januar 2018 21:45)

    Das Thema Veränderung ist allgegenwärtig, genauso wie das Thema Freundschaften.
    Man sagt immer, Freunde sind die Familie, die man sich aussucht. Also ist da ein Mensch, mit dem ich eine Verbindung eingehe, weil er mein Leben bereichert und einfach schöner macht. Genauso schmerzhaft kann es sich anfühlen, wenn so eine Freundschaft endet. Das gibt es, es passiert, auch wenn man es nie für möglich gehalten hat. Manche Freundschaften bleiben, verändern sich zwar, aber bleiben im Kern immer bestehen, komme, was wolle. Dann ist da keine Distanz, auch wenn man sich lange nicht gesehen oder gesprochen hat. Es ist ein Urvertrauen da, keine Komplikationen, keine Vorwürfe.
    Doch dann sind da Freundschaften, die auf der Strecke bleiben, von denen man im Vorfeld schon nicht wirklich dieses eine Gefühl hatte, wenn man es sich im Nachhinein selbst eingesteht.
    Und dann gibt es diese Freundschaften, wie du sie beschreibst. Erst voller Vertrauen, dann ist plötzlich etwas anders. Das kann verschiedene Gründe haben. Ein kleiner Zwischenfall, eigentlich banal, ärgert den einen, er möchte aber nicht direkt darüber sprechen, frisst es in sich hinein, vielleicht auch in der Erwartung, die so innige Freundin müsste es doch selber wissen oder vielleicht auch ansprechen. Beide Seiten lassen Dinge unausgesprochen, die Distanz vergrößert sich, aus Zuneigung wird vielmehr Höflichkeit. Es sind die Dinge, die wir nicht sagen, vor allem nicht sagen können! Aus Angst, jemanden zu verletzen.
    Ein Brief ist da ein toller Weg, um die Distanz zu nehmen. Er zeigt, hier hat sich jemand Mühe gemacht, seine Gedanken zu Papier zu bringen, hier ist jemand an einer Klärung und bestenfalls an einer Annäherung interessiert. Ich halte es für eine sehr wertschätzende Art der Kommunikation, ehrlich, nachhaltig.
    Natürlich erfordert er eine Reaktion des anderen: kommt keine, weiß man, dass die andere Seite an einer Annäherung nicht interessiert ist. Man selber hat aber alles versucht. Kommt eine, ist es ein leichterer Einstieg in die Klärung.
    Schick ihn ab, dafür hast du ihn geschrieben. Die Freundschaft ist noch nicht verloren, sonst würde es dich nicht so beschäftigen. Natürlich verändern sich Lebensweisen und -wege, aber es ist nie zu spät um aufeinander zuzugehen.

    Freundschaften sind immer auch der Spiegel unseres Selbst.

    Ich selber habe auch eine Freundschaft, die für eine Zeit beendet war. Ich habe immer darunter gelitten. Durch gemeinsame Freunde kam eine Annäherung zustande, da diese von mir und meiner Freundin wussten, dass wir uns vermissen und die Differenzen mit dem zeitlichen Abstand in Banalitäten verwandelt wurden. Wir haben uns erst über whatsapp geschrieben und uns dann ausgesprochen. Jetzt sind wir wieder eng in Kontakt und sehr froh darüber. Sie wird übrigens auch bald Mami, Anfang Februar, und ich bin so dankbar, sie und bald ihren kleinen Sohn in meinem Leben zu haben.

    "Freundschaft ist so etwas wie Liebe mit Verstand." (Sabine Sauer)

  • #2

    Wunschmami (Freitag, 12 Januar 2018 18:01)

    Vielen lieben Dank indigoblau für deinen Kommentar. Du hast mich mit deinen Worten nochmal zum nachdenken gebracht. und ich habe den Brief hervorgeholt und werde ihn wohl die Tage abschicken. Ich bin sehr gespannt ob ich eine Reaktion darauf bekommen werde.
    Dir wünsche ich eine aufregende Zeit mit deiner Freundin und bald mit dem neuen Erdenbürger :-)